Freie Beiträge
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Axel Malik, Harald Kimmig und Dennis Wittrock:
Trialog zum Thema
"Integrale Kunst - Auf der Suche nach einem ästhetischen Kompass der nächsten Avantgarde" , i*p 15, März 2010
Sebastian Gronbach: Die Anthroposophische Perspektive:
Der Mensch als Künstler (i*p16), März 2010
Dennis Wittrock: Die Verwandtschaft ästhetischer und mystischer Erfahrung
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Kunst
Kunst wird manchmal als ein Luxus betrachtet, als etwas, das man sich zusätzlich leistet, nachdem z. B. die Grundbedürfnisse befriedigt sind. Doch „der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ und Kunst in ihrer eigentlichen Bedeutung als etwas innerlich Empfundenes, das bewusst zum Ausdruck gebracht wird, ist nicht Anhängsel oder Luxus menschlicher Existenz, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Menschseins von Anfang an, eine ursprüngliche Weise der Kontaktaufnahme mit der Wirklichkeit.
"Und das soll 'Kunst' sein?" hört man oft. In der Postmoderne oft auch zurecht. Was ist Kunst, oder sollte man besser fragen wann ist Kunst? Reicht schon ein Rahmen, ein Sockel oder ein Ausstellungsraum? Wo schon der Begriff "Kunst" selber ziemlich unklar ist, setzen wir mit dieser Sektion ganz kühn noch einen drauf: Wir fragen uns nach "integraler Kunst", d.h. Kunst, die von einem Menschen mit integraler Stufe der Selbstentwicklung hervorgebracht wird. Wie sieht dieses evolutionär neue Terrain der Entwicklung aus, gebrochen durch die Linse des Schönen, der Ästhetik und Kunst?
Eines ist gewiss: die theoretische Auseinandersetzung ist (nur) die Landkarte, Kunstproduktion oder Kunstgenuss sind das Terrain. Das eine soll das andere nicht ersetzen, sondern bereichern. Kunstschaffende haben sich seit jeher dagegen verwehrt, sich in Diskussionen über die Bedeutung ihrer Werke zu verstricken. Gute Kunst spricht für sich selbst, jenseits von Worten, jenseits von Schweigen. Einfach 'Das'.
Nutzen wir das Schöne und Erhabene großartiger Kunst weiterhin als einen Königsweg der Transzendenz und der Intimität mit dem Höchsten, doch lassen Sie uns möglichst gute Landkarten verwenden, um diese Zustände und Erfahrungen zu interpretieren.
Wenn Sie selber Kunst produzieren und Sie Ihre Arbeiten hier präsentieren möchten, nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.
Übersicht über die Beiträge zu diesem Thema:
Was macht einen großen Künstler aus?
Was macht einen großen Künstler aus?
(Aus: Integral Naked, What makes a great artist?)
Frage: Ken, du hast über die unterschiedlichen Entwicklungslinien geschrieben, welche sich relativ unabhängig voneinander entwickeln, sich aber doch auch gegenseitig beeinflussen, und ich frage mich, und [auf Stuart Davis und Ed Kowalczyk bezogen] das betrifft auch euch, denke ich, wie du es siehst, wie diese unterschiedlichen Praktiken sich gegenseitig beeinflussen, was und wie viel fließt von der Meditationspraxis in die Musik ein, wo gibt es Verbindungen und wo nicht.
Wenn ich Kunst als meine einzige transformative Praxis ausübe, fehlt mir dann etwas oder kann ich dann noch Anderes einbringen?
KW: Das ist eine großartige Frage, ein ganz grundlegendes Thema, welche wir als Künstler alle erfahren, und es geht dabei auch um die große theoretische Frage, was einen Künstler ausmacht – ist es eher etwas Technisches oder geht es dabei um den Menschen. Um ein einführendes Beispiel zu geben – Leni Riefenstahl. Leni war eine Filmemacherin, sie filmte [unter anderem] die Reichsparteitage der Nazis in Nürnberg. Als eine Künstlerin war sie ein absolutes Genie. Während der Olympischen Spiele 1936 [in Berlin] kreierte sie vielleicht 50% der Kameratechniken, die heute noch immer im Sport eingesetzt werden, und wenn man sich ihre Arbeit anschaut, dann ist das ein ästhetischer Genuss, ganz außerordentlich. Und doch – und das ist keine Frage, und dies wurde immer wieder diskutiert -, war sie ... sie sagte von sich, dass sie einfach nur ein Ereignis filmte, aber das Ergebnis sieht wie eine Werbung für Calvin Klein aus, wie eine Glorifizierung... und dieses Beispiel führt uns zu der allgemeinen Frage: was macht einen großen Künstler aus? Man kann Picasso nehmen, er verfügte über eine großartige Technik und hat damit großartige Werke geschaffen, aber als ein Mensch hatte er nicht notwendigerweise dieselbe Größe. Dies ist ein interessantes Gebiet, welches wir hier betreten – was ist Kunst überhaupt? Ist Kunst – für sich – eine transformative Praxis oder nicht?
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Das Erhabene
Das Erhabene

- Bild: Mönch am Meer, C.D. Friedrich
Hausarbeit von Dennis Wittrock
Einleitung
In der vorliegenden Arbeit untersuche ich die Quellen des Begriffs des Erhabenen bei Kant, Schiller, Hegel und Schopenhauer. Ich zeige Parallelen zwischen den verschiedenen Konzeptionen auf und komme vor diesem Bedeutungs-Hintergrund zu einem eigenen Modell des Begriffs des Erhabenen, welches viele Einflüsse aus der integralen Theorie Ken Wilbers verarbeitet und auch versucht die Tradition zu wahren.
1. Das Erhabene bei Kant
Der Begriff des Erhabenen in der Kritik der Urteilskraft hat mehrere Gemeinsamkeiten mit dem Begriff des Schönen. Beide, das Schöne und das Erhaben gefallen für sich selbst, setzen ein Reflexionsurteil voraus und sind auf unbestimmte Begriffe bezogen. Ferner beanspruchen beide Urteile Allgemeingültigkeit, insofern sie für jedes Subjekt das Gefühl der Lust fordern.
Die Unterschiede zwischen beiden lassen sich wie folgt fassen: Während sich das Schöne auf die Form eines begrenzten Gegenstandes bezieht, kann das Erhabene auch an formlosen Gegenständen gefunden werden, die unbegrenzt sind. Das Schöne ist bezogen auf einen unbestimmten Verstandesbegriff, das Erhabene hingegen auf einen unbestimmten Vernunftbegriff. Ersteres geht einher mit der Qualität, letzteres mit der Quantität. Das Wohlgefallen am Schönen ist ein direktes Gefühl, das aus der Beförderung der Lebenskräfte entspringt, wohingegen das Erhabene indirekt aus der Hemmung und der darauf folgende Ergießung selbiger erfahren wird. Tritt beim einen das Spiel in den Vordergrund so ist es beim anderen der Ernst. Dementsprechend ist auch die Gegenüberstellung im Erleben als positive, bzw. negative Lust, wobei letztere mit dem Gefühl der Achtung verbunden ist.
Trialog über Integrale Kunst
Trialog über Integrale Kunst

„Integrale Kunst – auf der Suche nach einem ästhetischen Kompass der nächsten Avantgarde“
mit Axel Malik, Harald Kimmig und Dennis Wittrock
DENNIS:
Lieber Axel, lieber Harald, vielen Dank erst einmal, dass ihr euch für diesen Trialog per email zum Thema "Integrale Kunst" Zeit nehmt. Meine erste Frage geht zunächst einmal an dich, Axel, wobei ich aus Vorgesprächen mit dir weiß, dass du demjenigen gegenüber, was in der integralen Szene mit dem Begriff "Kunst" belegt wird, eine ziemlich kritische Position einnimmst. Fragen wir doch provokanterweise gleich mal so herum: was davon geht in deinen Augen überhaupt als Kunst durch und was stört dich an dem Rest?
AXEL:
Dennis, deine Frage und Aufforderung lässt mich spontan tief Luft holen.
"Kein Künstler muss den anderen tadeln, es setzt die Kunst zu sehr herab“ singt Monsieur Vogelsang in einer Mozart Oper. Das weist auf ein Warnlicht hin, das gleichzeitig mit deiner Frage aufleuchtet. Kritik an Kunst, oder gar Kritik unter Künstlern, gibt es heute fast gar nicht mehr. Aber nicht, weil man sich nicht dem Verdacht persönlicher Motive wie Neid und Missgunst aussetzen mag, das hat strukturell systemische Gründe. Und diesen Zusammenhang möchte ich gerne erst mal ansprechen. Wenn man sich die letzten 3000 Jahre Kunst anschaut, sieht man, wie eigentlich jede Künstlergeneration an der vorherigen anknüpft. Das ist im Grunde ein kontinuierlicher Prozess der immer subtileren Verfeinerung und Ausdifferenzierung. Die Kunst entwickelt sich in ihrer Fähigkeit und in ihrem Vermögen Welt abzubilden, sie zu kopieren, sie zu imitieren. Sie ist mimetisch ausgerichtet, und ihr Augenmerk gilt deshalb sehr dem Material. Das impliziert auch, dass man Kunst bewerten, in ihrer Qualität beurteilen, in ihrem Formgewicht begreifen und in ihrer Schöpfungstiefe abmessen kann. Selbst wenn sich die Maßstäbe verändern, gibt es Kriterien und ein objektivierbares Maßband dafür. Heute ist das anders, jeder kann zwar sagen, ob ihm etwas gefällt, aber bei der Frage, ob es für die Kunst Qualitätsmerkmale gibt, oder ob überhaupt objektivierbare Aussagen dazu möglich sind, bleiben die Lippen meist verschlossen. Warum ist das so?




