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Philosophie
Die Philosophie als eine „Liebe zur Weisheit“ ist seit ihren Anfängen darum bemüht, die Welt und die menschliche Existenz zu verstehen und zu erklären. Was könnte wichtiger sein als Antworten auf die grundlegenden Menschheitsfragen zu finden wie: Wer bin ich? Wozu bin ich hier? Was ist die Welt? Gibt es einen Gott?
Jeder Philosoph und jede Philosophin hat - erklärtermassen oder auch nicht - sich darum bemüht, das Wissen seiner oder ihrer Zeit zu verstehen und zusammen zu fassen, in dem Versuch sich und anderen die Welt und das Sein zu erklären. Dies ist auch der Anspruch der integralen Theorie oder Philosophie. In diesem Sinn steht die Arbeit Ken Wilbers in einer langen philosophischen Tradition, und somit ist Ken Wilber auch ein Philosoph. Ähnlich wie schon René Descartes mit seinen Meditationen über die Erste Philosophie ist auch Wilber darum bemüht, sowohl den unveränderlichen Seinsgrund (wenn es so etwas denn gibt) als auch die veränderliche Welt und alles was sich darin befindet in einer "Theorie von allem" zu beschreiben, mit der wichtigen Hinzufügung dass sich Wissen und Erkenntnis, wie vieles andere auch, immer weiter entwickelt, und dass eine (post)moderne "Theorie von allem" zeitgebunden und kontextabhängig ist, und sich idelaerweise mit dem Wissenszuwachs weiter entwickelt. Eine derartige Theorie oder Philosophie wäre dann keine Philosophie neben anderen Philosophien, sondern sie wäre ein Erklärungsrahmen für einen Kosmos und alle in ihm entstandenen Philosophien, aus dem die jeweiligen Stärken und Schwächen der einzellen Denkansätze erkennbar werden, und auch deren Gesamtzusammnehang.
Übersicht über die Beiträge zu diesem Thema:
Sprache im Werk von Ken Wilber
TRUE BUT PARTIAL
Sprache und die Manifestation des GEISTigen im Werk von Ken Wilber
Von Dennis Wittrock
XXVIII. Tagung der Jean Gebser Gesellschaft
Sprache und integrales Bewusstsein
Vom Sprachspiel zur Aussage
Bremen, 4.10. - 6.10.2002
Vorwort zur Online-Publikation:
Dieser Aufsatz ist die ausführliche, schriftliche Ausarbeitung eines Vortrags mit dem selben Titel, den ich im Oktober 2002 auf der 28.Tagung der Jean Gebser Gesellschaft in Bremen gehalten habe. Das Überthema der Tagung lautete "Sprache und integrales Bewusstsein. Vom Sprachspiel zur Aussage". Die inhaltliche Annäherung an dieses Thema in Verbindung mit Wilbers Theorie nimmt daher im Laufe des Textes immer wieder Bezug auf die Arbeit von Jean Gebser, wobei ich die Bekanntheit mit seiner Konzeption und seiner Terminologie vorausgesetzt habe. Für Leser, die Jean Gebser nicht kennen, sei angemerkt, dass sein Hauptwerk "Ursprung und Gegenwart" als Pionierleistung der integralen Theorie angesehen werden kann und als ein wesentlicher Eckpfeiler des A.Q.A.L Modells gilt. Es stellte meines Wissens nach die erste Kulturphilosophie, bzw. Kulturphänomologie überhaupt dar, die kulturelle Erscheinungen in Bezug zu unterschiedlichen Strukturen des Bewusstseins setzte und dadurch eine integrale Analyse und Interpretation ermöglichte. Wilber verortet Gebsers Hauptverdienste im unteren linken Quadranten, also im Bereich des innerlich-kollektiven, im WIR Bereich. Dennoch ist sein Werk nicht nur in dieser Hinsicht fruchtbar, sondern ist allein aufgrund der sprachlichen Differenziertheit und der schöpferischen Genialität und Tiefe seiner Gedanken nur zu empfehlen.
Der Aufsatz wird in dieser oder gekürzter Form in der von der JGG herausgegebenen Reihe unter dem Titel "Beiträge zur Integralen Weltsicht" Vol. XVIII im Novalis Verlag im März 2003 erscheinen.
Die sprachliche Unschärferelation
Die sprachliche Unschärferelation

- Artwork: Dennis Wittrock
Der Orientierungswert fundamentaler Dualismen im Werk von Ken Wilber, oder: "Brille? – Wilber!"
Dennis Wittrock
Mir ist neulich ein Licht aufgegangen, als ich mir Gedanken über das notwendigerweise dualistische Wesen der Sprache gemacht habe. Besonders in seinen frühen Büchern reitet Wilber auf der Tatsache herum, dass sprachlicher und begrifflicher Ausdruck immer nur innerhalb des Bannkreises von Dualismen stattfindet. Wir können nicht aus begrifflichen Paaren heraustreten, die einander erst bedingen und ermöglichen. Das ist das begriffliche Gitter, das wir über die ungeteilte Wirklichkeit legen, aus welcher wir einige Aspekte herausgreifen und sprachlich voneinander trennen.
Das hier ist "links" und das hier "rechts". Wuuuusch – schon erstreckt sich eine begriffliche Trennlinie quer durch den ganzen Kòsmos und spaltet ihn in zwei Hälften. Das geschieht natürlich nur in der Vorstellung, doch es bedarf der Betrachtung des eigenen Geistes durch den Geist, also des selbstreferentiellen Denkens, um diesen begrifflichen Charakter der Vorstellung zu verstehen und zu berücksichtigen. Andernfalls bewegt man sich innerhalb von Abstraktionen, ohne zu wissen, DASS man Sprache in dieser Weise verwendet. Man blickt auf die Welt durch seine begriffliche Brille, ohne zu wissen, dass man diese Brille trägt und welche Verzerrung der Sicht sie hervorruft. Es scheint ein Kennzeichen der reifen Schaulogik zu sein, dass sich der Begriff selber durchsichtig wird. In diesem Zusammenhang denke man beispielsweise an Hegel und Jean Gebser ("Transparenz").
Hat der Kosmos eine Absicht?
Hat der Kosmos eine Absicht?
Aus dem Handout anlässlich einer Veranstaltung der „Herbstakademie“ in Frankfurt/Main
Michael Habecker und Sonja Student,
basierend auf der Arbeit von Ken Wilber
Juni 2009
Hat überhaupt die Schöpfung eine Endabsicht, und wenn dieß ist, warum wird diese nicht unmittelbar erreicht, warum ist das Vollkommene nicht gleich von Anfang? Es gibt darauf keine Antwort als die schon gegebene: weil Gott ein Leben ist, nicht bloß ein Seyn ... Das Seyn wird sich nur im Werden empfindlich.
-Friedrich Schelling
Die Frage Hat der Kosmos eine Absicht? steht in einem engen Zusammenhang mit den Fragen Warum ist überhaupt irgendetwas, und nicht einfach nur Nichts? und Was ist der Sinn des Lebens oder der Existenz?
- Von der Absolutheit aus gesehen hat der Kosmos keine Absicht, weil Leere oder Absolutheit immer-schon und unveränderlich gegenwärtig war, ist und sein wird. (siehe dazu den Text Immer schon, und immer jetzt im Anhang). Die Absolutheit, so wie sie von denjenigen beschrieben wird, die sie erfahren (haben), ist nicht-beschreibbar, inhaltls-leer und eigenschafts-los, einschließlich der Eigenschaften von Sinn, Zweck, Intentionalität und Absicht.
- Relativ gesehen ist der Kosmos absichtsvoll, evolutionär und zielgerichtet (ohne determiniert zu sein), vom ersten bis zum letzten Augenblick seiner Existenz.
- Nichtdual gesehen ist der Kosmos sowohl vollkommen („nichts geschieht hier wirklich“) als auch im absichtsvollen Werden begriffen und dieser Werdensprozess als Manifestation des Absoluten ist auf jeder Stufe der Entwicklung vollkommen und unvollständig zugleich in einem absoluten Prozess einer ständig größeren Vollkommenheit. („Werde, was du bist“). Oder, in einer anderen Formulierung,
Alles ist vollkommen so wie es ist,
und
es gibt viel zu tun.
oder, wieder anders ausgedrückt:
Lebe Dein endliches Selbst, doch ruhe dabei in der Unendlichkeit
Wie sehen Absicht, Sinn und Zweck des Kosmos aus, welche Aspekte gibt es dabei, und wie äußern sie sich? Dazu ein paar Anregungen:
weiterlesen
Philosophische Texte zum Download
Dennis Wittrock: Die Verwandtschaft ästhetischer und mystischer Erfahrung
Dennis Wittrock: Integraler Pluralismus
Dennis Wittrock: Gadamer + Kegan + Wilber V
Dennis Wittrock: Transdisziplinariät und IMP (Magisterarbeit)



